Der Begriff “Coworking” ist in den letzten Jahren ähnlich überstrapaziert worden wie das Buzzword “New Work”. Während letzteres auf Konferenzen und in Führungsetagen Einzug gehalten hat, ist die Coworking Branche inzwischen ein Spielfeld für internationale Konzerne wie WeWork, Mindspace, Rent24 oder Design Offices, die längst auf den Zug aufgesprungen sind und monatlich neue Filialen in den Großstädten dieser Welt eröffnen. Alleine WeWork, erst 2010 in New York gegründet, ist mit 47 Mrd Dollar bewertet (Stand: 01/2019). Doch so angenehm es auch sein mag dort zu arbeiten – ist ein schick eingerichtetes Büro bereits die vielbeschworene Zukunft der Arbeit oder eigentlich eher ein Coup der Immobilienwirtschaft?

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Coworking als Geburtshelfer der Startup-Szene

Im Jahr 2005 tauchte der Begriff “Coworking” zum ersten Mal in einem Blogbeitrag auf. Zu dieser Zeit begannen überall auf der Welt unabhängig voneinander Café-Betreiber damit, ihren Gästen freies WLAN anzubieten. Die Notebooks wurden plötzlich mit integriertem WLAN-Modul ausgeliefert und so konnte man schon bald an Orten wie dem St. Oberholz in Berlin eine neue, digitale Bohème Cappucino schlürfend bei der Arbeit zuschauen. Das Geschäftsmodell Coworking kam erst einige Jahre später richtig in Fahrt, spätestens allerdings 2010 mit der Gründung von WeWork in New York City.

Das wahrhaft neue an dieser Form der Arbeit waren aber weniger die technischen Komponenten, sondern vielmehr die sozialen Aspekte, das gemeinschaftliche Arbeiten von völlig unterschiedlichen Menschen an einem Ort. Was zunächst Freelancer für sich entdeckten, war wenig später die natürliche Arbeitsumgebung von Gründerteams weltweit und ein Katalysator für die äußerst diverse Startup-Szene, wie wir sie heute kennen. Agilität, Eigenverantwortung, Austausch über Organisationsgrenzen hinweg – all das macht Coworking auch heute noch aus.

Coworking hat sich in zwei Sphären aufgeteilt – in einen harten Kern von Pionieren und das große Geschäft

Aber inzwischen ist viel passiert. Die Immobilienpreise in Großstädten sind rasant gestiegen, Coworking wird von großen Serviced-Office-Anbietern geschickt in die Vermarktung integriert und ist auf diese Weise im Mainstream angekommen. Dabei wird oft übersehen, dass es bei diesen “Corporate-Lösungen” weniger um die kulturellen und sozialen Aspekte des Coworking geht, sondern primär um neue, zeitgemäße Formen des Facility-Managements. Das Arbeiten in einem abgetrennten Büro bei WeWork unterscheidet sich am Ende des Tages nicht maßgeblich von herkömmlichen Büros am angestammten Firmensitz außer, dass es sehr viel teurer ist und jeden Freitag Freibier für alle ausgeschenkt wird.

Dabei lohnt es sich meines Erachtens, die kulturellen Aspekte von Coworking in den Blick zu nehmen. Tobias Kremkau, Coworking-Experte im St. Oberholz, schreibt in einem Blogbeitrag, dass die Coworking-Szene “nicht nur ein Ort für Neue Arbeit ist, sondern selber die Ideen von Frithjof Bergmann momentan am besten vorlebt. In nahezu allen Punkt der aktuellen Debatten um die neue Arbeitswelt, haben Coworking Spaces im Kleinen bereits Antworten entwickelt und geliefert.”

Wer also wirklich an Neuer Arbeit interessiert ist, unabhängig von gehypten Trends und hochpreisigen Konferenzen, der setzt sich am besten zunächst einmal für ein paar Tage in einen Coworking Space seines Vertrauens und trinkt eine gute Tasse Kaffee.

Interessant?

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Lasse Kroll

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